von Ulrike Lechnauer-Müller, aus der Gemeinderatssitzung vom 30.03.2026
Die jüngst veröffentlichte Videoaufnahme von Rouven Brechlin hat viele Menschen erschüttert – auch mich persönlich. Mir lief es beim Ansehen eiskalt den Rücken hinunter. Dass ein solcher Vorgang, der teilweise als harmlos dargestellt wird, ist für mich unverständlich und empörend. Dieses Video zeigt keine unbedachte Faschingsszene und da Hr. Brechlin damit noch bis vor kurzem prahlte, kann es auch nicht als „Jugendsünde“ relativiert werden. Wer so argumentiert, verkennt die historische Tragweite nationalsozialistischer Symbolik und das Leid, das diese Ideologie über Millionen Menschen gebracht hat.
Der Antisemitismusbeauftragte von Baden-Württemberg, Michael Blume, bringt es treffend auf den Punkt. In den Badischen Neuesten Nachrichten vom 11. März erklärte er:
„Rouven Brechlin bricht bewusst ein Tabu und lässt sich feiern. Damit will er andere einladen, dies ebenfalls zu tun. Solche Videos wirken sich negativ auf die Jugend aus, die sich zunehmend auf Plattformen wie TikTok radikalisiert. In meiner Arbeit ist das Alarmstufe Rot.“
Gerade deshalb zeigt dieser Vorfall einmal mehr, wie wichtig eine starke Demokratiebildung ist – von der Kita über die Grundschule bis hin zu den weiterführenden Schulen. Der Satz „Nie wieder ist jetzt“ darf keine leere Floskel sein, sondern muss gelebte Verantwortung bedeuten.
Dass Rouven Brechlin seinen Rückzug als Stadtrat angekündigt hat, ist daher konsequent. Allerdings ist dies nicht der erste Vorfall, bei dem Grenzen überschritten wurden. Bereits im Mai 2025 kam es unter seiner Verantwortung als erster Sprecher des AfD-Stadtverbandes zu einer Grenzüberschreitung. Ein Beitrag im Mitteilungsblatt, sowie ein bewusst auf den 8. Mai – den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus – gelegter „gemütlicher Stammtisch“, zeigten eine Rhetorik und Symbolik, die darauf abzielt, die Grenzen des Sagbaren immer weiter zu verschieben und historische Verantwortung zu relativieren.
Mit der Veröffentlichung des aktuellen Videos wurde diese rote Linie nun für viele sichtbar überschritten. Wer solche Vorfälle verharmlost, trägt dazu bei, eine Partei salonfähig zu machen, in der extrem rechte Positionen und nationalsozialistisches Gedankengut zunehmend Raum finden.
Deshalb appelliere ich an alle Bürgerinnen und Bürger: Informieren Sie sich aus seriösen Quellen über die Zeit des Nationalsozialismus. Lesen Sie Geschichtsbücher, hören Sie Zeitzeugenberichte, setzen Sie sich kritisch mit rechtsextremen Ideologien auseinander.
Auch die NSDAP wurde bis 1933 demokratisch gewählt. Mit einer Zweidrittel-Mehrheit konnte sie dann das Ermächtigungsgesetz durchsetzen, das der entscheidende Schritt zur Nazi-Diktatur war. Parlament und Reichspräsident wurden faktisch außer Kraft gesetzt.
Schauen Sie bitte genau hin, welche Positionen und welche Personen in der AfD wirken.
Denn am Ende gilt der Bibelspruch: Das Handeln offenbart das Wesen.
Auch 2026 hat die SPD-Fraktion beschlossen, ihr Weihnachts-Sitzungsgeld in Höhe von 150 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu spenden. Obwohl man dies noch keine „alte Tradition“ nennen kann, wird der Spendenwille der Fraktion fortgesetzt: Das Geld geht diesmal an das Kirchenladen-Café in Kirrlach, übergeben – nicht als Scheck, sondern in Form eines Überraschungspakets.
Ursprünglich war der Nachmittags-Treff für pflegende Angehörige gedacht, die sich eine kleine Auszeit gönnen möchten. Mittlerweile hat sich das Café zu einem offenen Treffpunkt entwickelt, zu dem alle willkommen sind, die einfach mal vorbeischauen oder mit anderen ins Gespräch kommen möchten. Gemeinschaft als Abwechslung vom Alltag tut gut, lautet eine zentrale Botschaft des Formates.
Typisch aufgebaut ist der Nachmittag so, dass in der ersten Hälfte Kaffee angeboten wird und Zeit zum Austausch bleibt. In der zweiten Hälfte gibt es ein kleines Unterhaltungsprogramm: Es wird gespielt, gesungen oder es werden bestimmte Themen aufgegriffen, über die gemeinsam diskutiert wird. Dieses Format hat sich als wertvoller sozialer Raum etabliert, in dem Begegnung und Austausch im Vordergrund stehen.
Die SPD-Fraktion konnte sich in der letzten Woche persönlich von der Wirkung des Formats überzeugen, als das Überraschungsgeschenk übergeben wurde. Ingelore Schilling-Krause, die seit Jahren die Organisation des Nachmittags koordiniert und sich mit Engagement um die meist weiblichen Teilnehmenden kümmert, nahm das Geschenk gemeinsam mit den Gästen mit großem Applaus entgegen. Im Anschluss blieb man noch einige Zeit zusammen, informierte sich über das Kirchenladen-Café und tauschte sich über die Bedeutung solcher Einrichtungen für Kirrlach aus. Die Überraschung wird selbstverständlich zum passenden Zeitpunkt offiziell bekanntgegeben, denn ein wenig Spannung soll sein.
Wir laden am Montag, 30. März 2026 um 18 Uhr zu unserer offenen Veranstaltung „Currywurst ist SPD“ auf den Dorfplatz/Forsthof in Kronau ein. Gemeinsam mit den Jusos Karlsruhe-Land und den umliegenden SPD-Ortsvereinen wollen wir in lockerer Atmosphäre mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen.
Besonders freuen wir uns auf Robin Mesarosch, Kandidat für den SPD-Landesvorsitz in Baden-Württemberg. Wer ihn persönlich treffen und mitdiskutieren will, ist in Kronau genau richtig.
Bei Currywurst vom Foodtruck — auch vegan — gibt es Raum für Austausch, Ideen und gute Gespräche. Vorbeikommen lohnt sich, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Save the Date: Maifest in der Grünen Dorfmitte
Am 1. Mai laden wir wieder ein zu unserem traditionellen Maifest in der Grünen Dorfmitte Kirrlach ein. Wie immer tischen wir in idyllischer Atmosphäre kühle Getränke und leckere Speisen auf. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Außerdem findet am Freitag, 26.06.2026 um 19:00 Uhr die Jahreshauptversammlung des Ortsvereins mit Neuwahlen im Clubhaus des FC Olympia statt.
Pressemitteilung der SPD Waghäusel vom 25.02.2025:
Waghäusel. Die SPD Waghäusel zeigt sich entsetzt über die Enthüllungen zu dem Waghäuseler Gemeinderatsmitglied Rouven Brechlin, der bis zuletzt 1. Sprecher des AfD-Stadtverbands Waghäusel-Philippsburg war.
Recherchen der Stuttgarter Zeitung haben ein Video enthüllt, das Brechlin mit Hakenkreuz-Binde und Hitlerbart als Adolf Hitler verkleidet am Rednerpult zeigen soll.
„Wer in Deutschland mit Nazi-Kostümierung auftritt und Hitler nachahmt, überschreitet jede Grenze“, erklärt David Heger, Vorsitzender der SPD Waghäusel. „Das ist keine Provokation, das ist keine Satire und schon gar kein harmloser ‚Fehler‘ – das ist eine Verhöhnung der Opfer und ein Schlag ins Gesicht unserer Demokratie.“
Heger weist Versuche der Verharmlosung entschieden zurück: „Die Ausrede einer ‚Jugendsünde‘ zieht nicht. Entscheidend ist doch: Wer so etwas tut und damit später in der AfD Karriere macht, steht nicht zufällig dort – die AfD ist seit Jahren ein politischer Resonanzraum für Rechtsextreme und Geschichtsrevisionisten. Wenn so ein Video innerhalb der AfD offenbar noch herumgereicht wird, ist das nicht die ‚Vergangenheit‘ eines Einzelnen, sondern die Überzeugung der Partei – und das ist brandgefährlich.“
Krimhilde Rolli, Co-Vorsitzende der SPD Waghäusel, wird deutlich: „Wer davon redet, ‚alle Parteien aus Deutschland hinaus[...]fegen‘ zu wollen, soll wissen, dass wir Sozialdemokraten in Waghäusel genau wegen solcher Drohungen seit Generationen Haltung zeigen. Unsere Partei wurde von den Nationalsozialisten verboten, viele unserer Mitglieder wurden eingeschüchtert, inhaftiert oder ermordet.“
Die SPD Waghäusel erwartet von Rouven Brechlin eine umgehende öffentliche Erklärung zu den Vorwürfen. „Ein Gemeinderatsmandat ist kein privates Experimentierfeld für Extremismus – es ist ein Vertrauensamt. Wer das Vertrauen in die kommunale Demokratie so untergräbt, muss Konsequenzen ziehen“, so Ulrike Lechnauer-Müller, Fraktionsvorsitzende der SPD Waghäusel. „Herr Brechlin ist zuletzt durch Schweigen und Abwesenheit aufgefallen, jetzt steht ein Vorgang im Raum, der jede rote Linie überschreitet“, so Lechnauer-Müller weiter.
Mit Blick auf die Vorwürfe betont David Heger: „Wer die AfD wählt, bekommt statt einer Alternative bloß einen Hitler-Darsteller.“ Die Landtagswahl am 8. März sei eine Richtungsentscheidung, ergänzt Rolli: „Wer Rechtsstaat und die Würde der Opfer des Nationalsozialismus ernst nimmt, muss daraus folgen lassen: Keine Stimme für eine Partei, in deren Umfeld so etwas verharmlost oder beklatscht wird.“