Bei der Jahreshauptversammlung der SPD Waghäusel am 5. Juli im AWO-Haus Wiesental referierte der Vorsitzende Lutz Schöffel vor den zahlreich erschienenen Mitgliedern über aktuelle kommunalpolitische Themen. Neben der Schulentwicklung und der kontrollierten Entwicklung alternativer Energien am Standort Waghäusel war vor allem die Offenlegung des Wagbachs bei der Eremitage ein heißer Diskussionspunkt. Einigkeit herrschte bei den Anwesenden darüber, dass die Verlegung des Wagbachs schon immer die zentrale Voraussetzung für die Nutzung des Gewerbegebiets Eremitage gewesen sei. Die Befreiung des Wagbaches aus seiner Verdolung müsse vernünftigerweise in einen natürlichen Bachverlauf mit Raum für Tiere und Pflanzen münden und eine Kanalisierung zwischen hässlichen Spundwänden sei dabei zu vermeiden. „Die Spundwandvariante wäre etwas, was man als monströs bezeichnen würde“, so Schöffel. Dass diese Lösung den Bürgern der Stadt zusätzlich einen sechsstelligen Betrag einspart, wurde sehr begrüßt. Denn dass ein solches Unterfangen nicht billig sein würde, war von Anfang an klar. Dass man aber nur die Kosten hinstellt und nicht deren Reduzierungen, wie von anderen örtliche Parteien praktiziert, sei in diesem Fall billige Effektascherei!
Zum Bedauern aller muss allerdings der Saftladen dem Renaturierungsvorhaben weichen. „Für die beiden Vereine, die diese Räume einmal pro Woche genutzt haben, muss deshalb eine schnelle Alternative gefunden werden“, forderte Stadtrat Tobias Scholtes. „Wir freuen uns aber schon auf das aufgewertete Außengelände mit Bachlauf vor dem Martin von Cochem Haus“. Schöffel wünschte sich abschließend zu diesem Thema gerade in Richtung der Waghäuseler Christdemokraten, zu ihrer einstimmigen Zustimmung zu diesem Projekt zu stehen und im Nachhinein keinen Populismus mit verdrehten Fakten zu betreiben.
Bei der öffentlichen „Kommunalpolitischen Gesprächsrunde“ der SPD-Waghäusel am 24.06.13 in der Altdeutschen Weinstube waren die Gemeinschaftsschule und die Windenergie die herausragenden Diskussionspunkte.
Herbert Sand zeigte sich zufrieden mit dem geschlossenen Abstimmungsergebnis seiner Fraktion für die Einführung der Gemeinschaftsschule. „Wir sind den Kollegien der Bolandenschule Wiesental und der Schillerschule Kirrlach dankbar für ihre Bereitschaft und den Willen, die Herausforderung „Gemeinschaftsschule“ an- und die damit verbundenen Anstrengungen auf sich zu nehmen.“ Die Schülerinnen und Schüler von Waghäusel hätten damit eine Perspektive in einem modernen Lernumfeld die Mittlere Reife und das Abitur zu erwerben.
Auf die Frage nach Gründen für das Scheitern der „ Großen Lösung“ gab Stadtrat Lutz Schöffel zu bedenken, dass man die Entscheidung der Schulkonferenz der Realschule respektiere. Als Demokrat müsse man die Entscheidungen der Gremien der Schulischen Mitbestimmung annehmen, wiewohl er bedauerte, dass man jetzt gewissermaßen eine Konkurrenz der Schulsysteme habe. Eine Situation, die man eigentliche unbedingt habe vermeiden wollen. „Schulentwicklung funktioniert nur miteinander, sie erfordert die gebündelten Kräfte aller Beteiligten.“ so Schöffel. Er hoffe aber, dass man über kurz oder lang die pädagogische Kompetenz des Realschulkollegiums doch für die Gemeinschaftsschule gewinnen könne. Jetzt sei aber dringend an der Zeit eine große Informationsoffensive zu starten, um die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern über die Möglichkeiten der Gemeinschaftsschule zu informieren und umfassen aufzuklären.
Fortsetzung folgt
2. Roter Abend im Anschluss
Am Freitag, den 5. Juli, findet ab 19:00 Uhr die diesjährige Jahreshauptversammlung der SPD Waghäusel statt. Zu dieser sind alle Mitglieder und Parteifreunde recht herzlich eingeladen. Anbei die vorläufige Tagesordnung:
1. Begrüßung und Bericht des Vorsitzenden
2. Bericht der Schriftführerin
3. Bericht des Kassiers und der Kassenprüfer
4. Bericht aus Gemeinde- und Kreistag
5. Ausblick auf den Bundestagswahlkampf
6. Aussprache
Die Themen, die in der Jahreshauptversammlung diskutiert und beschlossen werden sollen, müssen als Antrag bis zum 1.07.2013 schriftlich vorliegen!
Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung lädt die SPD Waghäusel zu ihrem 2. Roten Abend, der ebenfalls im AWO-Haus begangen werden wird. Auch dazu sind alle Mitglieder und Parteifreunde recht herzlich eingeladen. Anmeldungen zum Roten Abend (zwecks besserer Organisation) bitte bis zum 1. Juli an lutz-schoeffel@gmx.de.
Im Rahmen der öffentlichen Vorstandssitzung am 16.05. 2013 informierte der SPD-Fraktionsvorsitzende Herbert Sand über die aktuelle Initiative der beiden Waghäuseler SPD-Kreistagsabgeordneten Walter Heiler MdL und Herbert Sand hinsichtlich des Ausbaus des öffentlichen Nahverkehrs im Raum Waghäusel/ Philippsburg / Kronau. Der Kreistag hatte sich bereits 2012 mit weiteren möglichen Verbesserungen für den Öffentlichen Nahverkehr im Nördlichen Landkreis Karlsruhe befasst. Dies auch deshalb, weil die geplante Stadtbahnverlängerung S2 von Bruchsal nach Waghäusel in einer beauftragten Projektstudie überraschenderweise als nicht förderfähig eingestuft wurde und somit nicht realisiert wird. Auf der Sitzung am 16.05.2013 in Ubstadt beschloss jetzt der Kreistag die betriebliche Verknüpfung der Buslinien 123 und 125. Dadurch soll eine wesentliche Stabilisierung des Fahrplanes erreicht werden. Die Linie 123 erreicht jetzt auch die Käthe- Kollwitz-Schule. Die Linie 125 verkehrt künftig dann auch über den Bahnhof hinaus und schließt bisherige Fahrplanlücken. Die Attraktivität der Busverbindungen wird durch diese Bündelung deutlich erhöht, zumal aktuell ca. 14.200 Fahrgäste diese beiden Linien benutzen. Darüber hinaus hat die SPD-Kreistagsfraktion angeregt, die Nordwestecke des Landkreises besser an das Oberzentrum Heidelberg anzubinden. Die Überlegungen gehen nun dahin, ein Pilotprojekt für eine schnelle Busverbindung von Philippsburg über den Bahnhof Waghäusel nach Kirrlach und weiter zum Bahnhof Kronau einzurichten. Man denkt hierbei an eine schnelle Buslinienverbindung (Sprinter) mit maximal 5 Haltestellen. In Kirrlach sollen längs der Hauptstraße 2 Haltestellen eingerichtet werden mit dem nächsten Halt am Bahnhof Kronau. Dadurch wäre möglich, dass Fahrgäste von Philippsburg innerhalb von 45 Minuten im Oberzentrum Heidelberg sein könnten. Bei Bedarf wäre, so die Forderung der SPD Fraktion, diese neue Buslinie bis zur Therme Bad Schönborn weiterzuführen. Die Landkreisverwaltung wurde ermuntert, mit dem KVV diesbezüglich zeitnah die Gespräche aufzunehmen.
Waghäusel braucht bei der Gemeinschaftsschule die „große Lösung“
Waghäusel – 5/2013
Die Schulentwicklung und Bildungsplanung in der (großen Kreis-)stadt Waghäusel muss im größeren Zusammenhang der Region nördlicher Landkreis/Bruhrain gesehen werden. In diesem Raum hat Waghäusel, von der Bevölkerungszahl und der Wirtschaftskraft her gesehen, eindeutig eine Zentrumsfunktion.
Um jedoch in bildungspolitischer Hinsicht zukunftsfähig zu bleiben, müssen wir unseren ca. 21.000 Einwohnern, einfach mehr anbieten. Dies ist keine Kritik und auch keine Aussage gegen irgend eine der bestehenden Schulen oder Schulformen in Waghäusel, im Gegenteil. Aber die Bildungslandschaft ist landesweit und bundesweit in Bewegung, und darauf müssen und wollen wir reagieren. Wir wollen und müssen den Schulstandort Waghäusel sinnvoll und konstruktiv weiterentwickeln.
Nach jahrzehntelanger schulpolitischer Stagnation in dem reichen Bundesland Baden-Württemberg hat die neue Landesregierung erkannt, dass das bisherige überkommene Schulsystem bundesweit, aber auch für viele Familien ein Auslaufmodell ist, das vor allem in den Bereichen Chancengerechtigkeit und schulischer Förderung weit hinter den heutigen Möglichkeiten und Notwendigkeiten zurückbleibt. Wir haben deshalb die große Chance, den Schulstandort Waghäusel zukunftssicher auszubauen und zu festigen.
Dies wollen wir nicht deswegen, weil an unseren 3 weiterführenden Schulen schlechte Arbeit geleistet wird, im Gegenteil. Die engagierten und motivierten Lehrerinnen und Lehrer an der J.-P.-Hebel Realschule, an der Bolanden- und an der Schillerschule leisten gute Arbeit, die unsere Anerkennung und Unterstützung verdient.
Aber gleichzeitig kann niemand übersehen, dass wir uns in einem Prozess umwälzender gesellschaftlicher Entwicklungen befinden. Geburtenrückgang, Facharbeitermangel – für immer mehr Berufe werden fundierte Kenntnisse und Kompetenzen verlangt.
Prozentual gesehen wollen immer mehr Schülerinnen und Schüler einen immer höheren Bildungsabschluss erreichen. Die Nachhilfe-Industrie hat darauf schon lange reagiert – sie „boomt“ geradezu in unserem Land.
Wer die Veränderung der Schülerströme in den letzten Jahren in Baden-Württemberg untersucht, kann feststellen, Eltern und Schüler sind landesweit dem gegliederten Schulsystem durch „Abstimmung mit den Füßen“ davongelaufen - in die Gymnasien,
in Realschulen, in Privatschulen (die sich „ihnen genehme Schüler“ und zahlungskräftige Eltern selbst aussuchen). Die Entwicklung der Schülerzahlen ist teilweise alarmierend, und genau vor diesem Problem stehen wir auch hier in Waghäusel: Trotz Ganztagesschulbetreuung, trotz Schulsozialarbeit usw. sind die Anmeldezahlen für unsere beiden Hauptschulen/Werkrealschulen so stark zurück gegangen, dass ihr Weiterbestehen erheblich gefährdet ist.
Darauf müssen wir angemessen und zukunftsfähig reagieren. Es nützt nichts, wenn wir in ein allgemeines Gejammer, Schwarzmalerei oder eine Schockstarre verfallen. Von Gemeinderat und Verwaltung werden Konzepte und Entscheidungen erwartet. In der jetzigen Situation haben wir noch die Möglichkeit, die Weichen zu stellen für tragfähige Lösungen. Der Gemeinderat der Stadt Waghäusel hat deshalb am 13.5.2013 mit großer Mehrheit (bei wenigen Gegenstimmen aus den Reihen der CDU) den Weg für die „große Lösung einer Gemeinschaftsschule in Waghäusel“ freigemacht. Diese soll die bisherigen Schulen der Sekundarstufe 1 (Realschule, Schillerschule und Bolandenschule) zusammenfassen und alle schulischen Abschlüsse ermöglichen. Nach Klasse 10 wäre dann sogar eine Sekundarstufe 2 (Weiterführung bis zum Abitur) in Waghäusel möglich.
Die 4 Grundschulen in Waghäusel sind von dieser Entscheidung nicht betroffen!
Wir von der SPD-Fraktion sind offen für sachliche, lösungsorientierte Gespräche mit allen Betroffenen und Beteiligten, die bereit sind, gemeinsam diesen Weg zu gehen. Wir wissen, dass noch ein erheblicher Informationsbedarf über die neue Schulform „Gemeinschaftsschule“ besteht. Es gilt, alle Waghäusler Kinder und ihre Eltern mitzunehmen, und ihnen ein bestmögliches Bildungs-, Betreuungs- und Förderangebot in der Stadt Waghäusel bereitzustellen. Wir sind ganz entschieden der Meinung, dass in unserer Stadt in Zukunft alle Bildungsabschlüsse der Sekundarstufe 1 – und darüber hinaus auch ein Abschluss der Sekundarstufe 2 (Gymnasium oder gymnasiale Oberstufe) möglich sein muss. Wir wollen ganz schlicht und einfach eine weitere Verbesserung der Bildungschancen für die Waghäusler Schüler hier vor Ort, und die Gelegenheit dazu ist gegeben. Das sind wir unseren Schülern und Eltern auch deshalb schuldig, weil überhaupt nicht abzusehen ist, dass sich der öffentliche Personen-Nahverkehr oder der Schulbusverkehr in absehbarer Zukunft wesentlich verbessern wird, abgesehen davon, dass uns hier die Kosten davonlaufen. Investitionen in schulische Einrichtungen in unserer Gemeinde sind hier die bessere Lösung.
Nur wenn wir uns einig sind, dass wir das Beste für unsere Kinder erreichen wollen, werden alle mitziehen: die Eltern, die Lehrer, die Schulleitungen, die Schulbehörden.
„Stillstand ist Rückschritt“ – das haben die Entscheidungsgremien in unseren Nachbargemeinden erkannt und es kann nicht sein, dass ausgerechnet die „große Kreisstadt“ Waghäusel hier ins bildungspolitische Abseits gerät: Wir haben die entsprechende Zahl von Einwohnern, als kinderfreundliche Stadt auch genügend Kinder, und auch unsere Schulen in Waghäusel haben immer wieder bewiesen, dass sie leistungsfähig und bereit zur Weiterentwicklung sind. Deshalb: Unsere Intention richtet sich gegen keine Schulart oder Schulform, auch nicht gegen Entscheidungen oder Entwicklungen in den Nachbargemeinden. Wir schauen auf unsere Situation und erkennen, was für die Zukunft zum Wohle unserer Bürger getan werden muss, das Potential dazu ist da!
Waghäusel, 5/2013
Roland Herberger